Presseberichte

Neustes zu Römern und Germanen in Norddeutschland

Mit einem ungewöhnlichen Vortragsformat startet die Archäologische Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. ihr diesjähriges Veranstaltungsprogramm: gleich drei Referenten werden gemeinsam die neuste Forschung zur Römischen Kaiserzeit – also die Zeit der Römer und Germanen – in Norddeutschland vorstellen.

Wissenschaftliche Fachtagungen sind nicht immer Publikumsmagnete. Was Spezialisten begeistern kann, muss nicht unbedingt interessierte Laien in gleichem Maße mitreißen. So hat sich die Archäologische Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. etwas Besonderes einfallen lassen: Sie förderte im Oktober 2017 eine Fachtagung zur Römischen Kaiserzeit, die sich im Schwerpunkt an Nachwuchswissenschaftler wandte. Zwei Tage lang haben junge Wissenschaftler neue Forschungen zur Zeitepoche der Römer und Germanen vorgestellt und diskutiert. Um nun aber auch der Öffentlichkeit spannende Ergebnisse dieser Fachtagung zu vermitteln, haben sich drei der Referenten bereitgefunden, ausgewählte Aspekte als reich bebilderten Vortrag zu präsentieren. Die Archäologen Ivonne Baier (Berlin), Jan Bock (Buchholz) und Dr. Ingo Eichfeld (Gifhorn) werden inhaltlich immer wieder auf das Elbe-Weser-Dreieck zurückkommen, was nicht sonderlich überrascht, da sie alle drei selber mit dem Landkreis verbunden sind: Frau Baier und Herr Bock schreiben gerade an der Universität Göttingen ihre Doktorarbeit über die Siedlung bei Groß Meckelsen, die in den 1980er- und 1990er-Jahren großflächig ausgegraben wurde. Dr. Eichfeld, Kreisarchäologe im Landkreis Gifhorn, hat seine wissenschaftliche Laufbahn hier begonnen: Er hat über die Eisenzeit im Landkreis seine Magisterarbeit verfasst.

Die drei Referenten werden u.a. eine knappe Zusammenfassung der Tagungsvorträge liefern, die eine Bandbreite von den mittelalterlichen Handelshäfen an der deutschen Nordseeküste bis zu  römisch-kaiserzeitliche Bootslandeplätze im Bereich der Allermündung reichten. Einen Schwerpunkt bilden die römischen Einflüsse in der einheimischen germanischen Keramik. Bislang wurde zu wenig beachtet, dass nicht nur Import aus dem Römischen Reich begehrt war, sondern Modeerscheinungen und Sitten durch die Germanen übernommen bzw. kopiert wurden. Wie sich dies im Alltag äußerte, kann u.a. auch in Groß Meckelsen nachvollzogen werden.

Der Vortrag bietet eine einmalige Gelegenheit, neuste archäologische Forschung aufbereitet und komprimiert vorgestellt zu bekommen.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 18.01.2018, im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Rotenburg, Hopfengarten 2, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Die Toten aus Barchel – Gräber als Spiegel des Lebens

Ausgrabungen eines Gräberfeldes in Barchel haben neue Erkenntnisse zum Leben und Sterben im 4. und 5. nachchristlichen Jahrhundert erbracht. Die Archäologin Nathalie Boes stellt die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in einem reich bebilderten Vortrag der Öffentlichkeit vor.

Unmittelbar nach Gründung der Rotenburger Kreisarchäologie konnte bereits 1980 ein wichtiges Projekt gestartet werden, das sogar durch den Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht beehrte wurde: Die Ausgrabung des völkerwanderungszeitlichen Gräberfeldes von Barchel. Dabei handelt sich um den am besten erhaltenen Fundplatz des 4. und 5. Jahrhunderts n. Chr. aus dem gesamten Landkreis. Dass der damalige Kreisarchäologe Dr. Wolf-Dieter Tempel bereits in seinem ersten Amtsjahr umgehend die Ausgrabung des Gräberfeldes einleitete und den Fundplatz damit dokumentierte, kann als außerordentlicher Glücksfall für die Archäologie gelten! Die geschichtliche Bedeutung des Fundplatzes drang schnell bis zur Verwaltungsspitze vor, so dass sogar der damalige Oberkreisdirektor Gerhard Blume die Ausgrabungen mit der Schaufel in der Hand unterstützte.

Die Fundauswertung in den letzten Jahren erbrachte wichtige Erkenntnisse zu der völkerwanderungszeitlichen Bevölkerung in Barchel und ihren Bestattungssitten. Einzelne Funde weisen eine erstaunliche Qualität auf und stellen auch für das gesamte Elb-Weser-Dreieck eine Seltenheit dar. Im Rahmen des Vortrages werden die neuen Ergebnisse nun erstmals öffentlich vorgestellt. Dabei geht es um die Frage, wer die Bestatteten waren und wie sich ihre Gesellschaft strukturierte. Es werden Fragen nach den Kontakten zum Römischen Reich aufgeworfen, ebenso wie zu geistigen Vorstellungen und den Umgang mit den Toten. Frau Boes wird in ihrem Vortrag nicht nur die Funde zum Sprechen bringen, sondern auch eine Schlüsselfundstelle zum Verständnis der Völkerwanderungszeit in unserem Landkreis vorstellen. Eine Zeit, in der das Weströmische Reich zusammen brach und die aus Osten vordringenden Hunnen die namengebende Völkerwanderung auslösten.

Die Referentin Nathalie Boes ist Archäologin am Museum und Park Kalkriese (Varusschlacht) und hat über das Gräberfeld in Barchel ihre Master-Arbeit angefertigt, die sie 2017 erfolgreich an der Universität Göttingen einreichte. Die Besucher des Vortrags haben somit Gelegenheit, neuste archäologische Forschung vorgestellt zu bekommen.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 15.02.2018, im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Bremervörde, Amtsallee 7, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Schätze, Verstecke und Bestattungen – eine archäologische Spurensuche im Spannungsfeld von Glaube und Aberglaube

Schätze und Archäologie gehören in der öffentlichen Wahrnehmung oft zusammen. Auch wenn Archäologen vielfach den historischen Wert von Funden abseits von Gold und Silber betonen, so gehören dennoch Schätze zu einer wichtigen archäologischen Quelle. Der Archäologe Dr. Stefan Krabath (Wilhelmshaven) wird sich diesem dankbaren Thema in einem reich bebilderten Vortrag in Zeven annehmen.

„Haben Sie schon Gold gefunden?“ ist eine häufige Frage an Archäologen bei Ausgrabungen. Oftmals muss er dies verneinen, doch dennoch gibt es sie: die Schätze. Im Rahmen eines reich bebilderten Vortrags wird der ausgewiesene Kenner von Schatzfunden, Dr. Stefan Krabath, reiche archäologische Deponierungen und Bestattungen vorstellen. Ausgewählte Schatzfunde geben einen Eindruck von reichem Schmuck und aufwändigem Tafelgerät aus Gold und Silber vom späten Mittelalter bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Schätze wurden oftmals in Zeiten größter Not wie Krieg und Verfolgung verborgen und konnten nicht wieder gehoben werden konnten, da der ehemalige Besitzer wahrscheinlich ums Leben kam. Andere Gegenstände wurden als Opfer und Glücksbringer verborgen, um Schlechtes von Haus oder Leben abzuhalten. In diesem Zusammenhang sind Bauopfer von Eiern, lebend eingemauerte Tiere und dergleichen zu deuten. Die Reformation ließ Deponierungen von nicht mehr verwendeten Reliquien entstehen, die nicht einfach entsorgt, sondern „bestattet“ wurden. Bei archäologischen Ausgrabungen werden auch Gegenstände entdeckt, die verborgen wurden, um Straftaten zu verschleiern.

Ein weiteres Kapitel wird den Bestattungen von Menschen gewidmet, die Zeichen Ihrer Würde oder ihres Standes mit ins Grab gelegt wurden. Besonders spannend erscheinen Gräber, bei denen die Toten im Grab befestigt wurden, um eine Wiederauferstehung zu verhindern, da man glaubte sie könnten als Wiedergänger ihr Unwesen treiben. Der zeitliche Rahmen wird hier vom hohen Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert gespannt.

Die Archäologische Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. sucht sich für den Vortrag im Anschluss an ihrer Mitgliederversammlung immer einen besonderen Vortrag aus. Mit dem Thema „Schätze, Verstecke und Bestattungen“ ist ihr das sicherlich gelungen. Der Referent, Dr. Stefan Krabath, ist Archäologe am Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zu Schätzen und Schatzfunden verfasst. So hat er beispielsweise an der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Schatzfundes von Fuchsenhof (Österreich) und dem spätmittelalterlichen Pritzwalker Silberfund (Brandenburg) maßgeblich mitgewirkt. Auch zu dem Schatzfund von Bokel bei Bevern im Landkreis Rotenburg hat er schon wissenschaftliche Beiträge verfasst. Er gehört damit zu den besten Kennern der Materie. Die Besucher des Vortrags haben somit Gelegenheit, neuste archäologische Forschung von einem international renommierten Wissenschaftler vorgestellt zu bekommen.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 08.03.2018, in der Aula des St.-Viti-Gymnasiums in Zeven, Bahnhofstraße 62, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Römische Münzen, mittelalterliche Dörfer, ein Pferdegrab und vieles mehr – Die Kreisarchäologie gewährt Einblicke in ihre Arbeit und die Entdeckungen der letzten Monate

Viele Menschen denken bei dem Stichwort „Archäologie“ an ferne Länder oder sagenhafte Schätze. Dass Archäologie aber auch vor der eigenen Haustür stattfindet, wird der Rotenburger Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse in Form eines reich bebilderten Vortrags zeigen.

„Die Kreisarchäologie vertritt ‚öffentliche Belange‘ wie der Gesetzgeber es nennt. Daher sehe ich es als wichtige Aufgabe an, unsere Arbeit auch der Öffentlichkeit, deren Belange wir vertreten, bekannt zu machen.“, so der Rotenburger Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse. Dementsprechend lädt die Archäologische Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. zu dem inzwischen Tradition gewordenen Rückblick auf die letzten Funde, Entdeckungen und Ausgrabungen im Kreisgebiet ein.

Nach einer Einführung zu den vielfältigen Aufgaben eines Archäologen stellt Dr. Hesse in seinem Rückblick einige Ausgrabungen der Jahre 2016/2017 vor. Auch überregional bedeutende Ergebnisse erbrachten unter anderem die Untersuchungen in Wittorf. Hier entdeckten die Archäologen jüngst ein frühmittelalterliches Gräberfeld aus der Zeit der Christianisierung. Hier konnte auch die erste sächsische Pferdebestattung des Landkreises ergraben werden. In Zeven und Hellwege konnte die Kreisarchäologie Teilbereiche mittelalterlicher Siedlungen freilegen. Besonders die Grabung in Zeven beleuchtet die historisch wichtige Zeit, als das Kloster von Heeslingen nach Zeven verlegt wurde. Konnte hier vielleicht sogar die Keimzelle Zevens entdeckt werden?

Gerade erst begonnen wurde mit einem Forschungsprojekt zu den Wegen im Moor bei Gnarrenburg. Dabei sind die ersten Ansätze so vielversprechend, dass die Untersuchungen auch 2018 weitergeführt werden sollen. Darüber hinaus geht Dr. Hesse auch auf das Thema der Sondengänger ein. Ausgerüstet mit Metallsonden und einer Genehmigung der Kreisarchäologie haben diese Laienforscher in den letzten Jahren vermehrt Funde aus Metall gemeldet und so die Kenntnis um die Geschichte der Region bereichert. Dr. Hesse stellt einige wichtige und aussagekräftige Stücke vor, wie bronzezeitliche Beile, römische Münzen und ein sogenanntes Einsatzgewicht des 18. Jahrhunderts.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 19.04.2018, im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Rotenburg, Hopfengarten 2, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Die Archäologie des Dreißigjährigen Krieges

Seit einigen Jahren rückt die sog. „Schlachtfeldarchäologie“ immer mehr in den Mittelpunkt verschiedener Forschungsprojekte. So hat auch die Archäologie zu neuen Erkenntnissen zum Ablauf und Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges beigetragen, die der Archäologe Dr. Philip Lüth in Form eines reich bebilderten Vortrags zeigen wird.

Vor vierhundert Jahren begann mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg, der in ganz Europa vor allem aber in Deutschland die Menschen fast zweier Generationen in Angst und Schrecken versetzte. Bis in die jüngste Vergangenheit wird der Dreißigjährige Krieg in Romanen oder Filmen als Paradebeispiel für unmenschliche Gräuel, bewegende Einzelschicksale oder als Trauma ganzer Generationen aufgeführt. Aus der Zeit des 17. Jahrhunderts sind zahlreiche schriftliche Quellen bekannt. Doch wie sieht es mit den sachlichen Hinterlassenschaften aus? Der Krieg führte zu erheblichen Veränderungen nicht nur in der Kriegsführung, sondern auch in der Waffentechnik, im Schiffbau, in der Konstruktion von Verteidigungs- und Festungsanlagen.

In den letzten zehn Jahren brachte die neue Disziplin der Schlachtfeldarchäologie immer wieder Erkenntnisse zu singulären Ereignissen. Die Ergebnisse dieser Ausgrabungen lassen weitreichende Schlüsse nicht nur auf den Verlauf der Schlachten sondern auch auf die Lebensweise der Söldner und der einfachen Menschen zu. Deren Schicksal, Lebensgewohnheiten und das Erleben dieser gesamteuropäischen Katastrophe wird über dreißig Jahre von den Mächtigen Europas bestimmt.

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – einer lang anhaltenden Friedenszeit in Europa ist die Erinnerung an katastrophale Kriegsereignisse wie den Dreißigjährigen Krieg aktueller denn je.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. in Kooperation mit dem Verein der Freunde des Archivs für Heimatforschung Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 15.11.2018, im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Rotenburg, Hopfengarten 2, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.