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Kampf, Konflikt und Kriegskult bei den Germanen

Germanen haben nicht nur gegen die Römer gekämpft, sondern auch interne Konflikte im Kampf ausgefochten. Die Ausstattung ganzer Heere wurde anschließend in Seen und Mooren versenkt. Dieses überaus reiche und beeindruckende Fundmaterial wird die Schleswiger Archäologin Dr. Ruth Blankenfeldt am 21.03.2019 in einem Vortrag in Zeven zum Sprechen bringen.

Auf einen wahren archäologischen Schatz stieß zwischen 1858 bis 1861 Conrad H. Engelhardt bei seinen Ausgrabungen im Thorsberger Moor bei Süderbrarup (Schleswig-Holstein). Die hier gefundenen großen Mengen an Waffen, Pferdegeschirren und Trachtbestandteile aber auch einzigartige Objekte aus Silber und Gold erregten schnell überregionale Aufmerksamkeit. Inzwischen werden die Funde als so genannte Heeresausrüstungsopfer der Germanen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus angesprochen.

Es handelt sich bei den Objekten um die Überreste innergermanischer Kämpfe und Kriege, bei denen die Sieger die Ausrüstungen der Unterlegenen an sich nahmen und in damaligen Seen und Mooren unwiederbringlich versenkten. Eine genaue Betrachtung der Gegenstände zeigt dabei Beschädigungen, die auf zuvor ausgetragene Kämpfe schließen lassen. Weitere Zerstörungsspuren bezeugen allerdings auch rituelle Handlungen an den Objekten und sind im Thorsberger Moor u. a. an den Pferdegeschirren sehr gut sichtbar. Diese planvollen Zerstörungen sowie bestimmte Muster bei der Niederlegung scheinen wichtige Bestandteile der damaligen Zeremonien gewesen zu sein.

Opferplätze mit Heeresausrüstungen berichten somit in einzigartiger Weise von Kampf und militärischer Organisation aber auch religiösem Kult und politischer Machtdemonstration bei den Germanen. Ausgehend vom Thorsberger Moor, ein über Jahrhunderte aufgesuchter heiliger Platz, sollen diese Bereiche der damaligen Lebenswelt sowie die Wechselwirkungen mit dem Römischen Reich betrachtet werden.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 21.03.2019, im Rathaussaal der Stadt Zeven, Am Markt 4, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Einblicke in die frühe Geschichte Zevens – Die Grabung „zur Reege“

In den Jahren 2015 bis 2017 fanden umfangreiche Ausgrabungen im Gewerbegebiet Zeven „zur Reege“ statt. Die damals durchgeführten Grabungsführungen trafen auf ein erfreulich positives Echo in der Bevölkerung. Nun sollen im Rahmen eines öffentlichen Vortrags durch Kreisarchäologen Dr. Stefan Hesse erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Gerade in Stadtgebieten sind großflächige Grabungen sehr selten. Umso größer ist die Bedeutung der Ausgrabung „zur Reege“, bei der eine früh- bis hochmittelalterliche Siedlung bei Zeven nahezu komplett ergraben werden konnte – im Landkreis Rotenburg (Wümme) bislang einmalig.

Doch die Arbeit endet für einen Archäologen nicht mit dem Abschluss der Ausgrabung. Und so ist auch die Auswertung der Ausgrabung „zur Reege“ bislang nicht abgeschlossen. In einem Vortrag sollen jedoch schon einmal erste Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden, ebenso wie der ganze Prozess der Ausgrabung bzw. der Weg dorthin transparent dargelegt werden soll. „Archäologie findet nicht im Elfenbeinturm statt“ – so die Aussage von Hesse – „Archäologie war schon seit ihren Anfängen eine bürgernahe Wissenschaft“.

Es sollen in diesem Vortrag nicht nur die Funde und Befunde vorgestellt werden, sondern auch die Frage gestellt werden, um was für eine Siedlung es sich handelt. Es gibt Hinweise auf eine Verbindung zum Kloster Zeven. Haben wir hier vielleicht das frühe Zeven vor uns? Der Vortrag beleuchtet die nicht nur für Zeven wichtige Zeit der Klosterverlegung von Heeslingen nach Zeven und das kulturgeschichtliche Umfeld.

Ort:        Rathaussaal der Stadt Zeven, Am Markt 4, 27404 Zeven
Zeit:      24.10.2019; 19:00 Uhr
Kosten:                kostenloser Eintritt!

Der Vortrag wird in Kooperation mit der Stadt Zeven durchgeführt.

Die Entstehung der „Neolithischen Revolution“ und ihre beispiellosen Folgen für unser heutiges Leben

Archäologie gilt manchem als leicht verschrobene Beschäftigung merkwürdiger Leute. Wie aktuell jedoch die Betrachtung der Vergangenheit sein kann, zeigt Dr. Florian Klimscha in einem spannenden Vortrag: Klimawandel, Umweltzerstörung und Überbevölkerung steht nicht nur auf der Agenda moderner Aktivisten, sondern beschäftigte auch den Menschen der Jungsteinzeit.

Mit den Begriffen „Neolithisierung“ und „Neolithische Revolution“ werden der Wandel von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise umschrieben. Aus Jägern und Sammlern werden Bauern. Dieser Prozess ist wohl der wichtigste Einschnitt in die Entwicklung menschlicher Gesellschaften, und prägt unser Leben bis heute. Grundlegende Erfindungen wie Ackerbau, Viehzucht, Hausbau, gewebte Stoffe, Keramik, sogar die Metallurgie haben in dieser Zeit ihre Anfänge. Alle diese Erfindungen werden im sogenannten „Fruchtbaren Halbmond“, einem Teil des Vorderen Orients, gemacht. Von dort breiten sie sich bis nach Mittel- und Westeuropa aus. In den letzten Jahren haben neue, spektakuläre Entdeckungen, wie z.B. die Entdeckung eines frühen Heiligtums bei Göbekli Tepe (Türkei), unser Verständnis der Neolithischen Revolution grundlegend verändert. Der Vortrag gibt einen Überblick über die neuesten Forschungen und zeigt, wie komplex dieser Prozess verlaufen ist, bei dem sich Menschen erstmals mit den Folgen von Umweltzerstörung, Klimawandel und Überbevölkerung auseinandersetzen mussten.

Der Referent

 Dr. Florian Klimscha hat in Bochum und Berlin Ur- und Frühgeschichte studiert. Er war anschließend als Archäologe am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin (Orient-Abteilung) tätig und ist derzeit Kurator der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Hannover. Seine Interessenschwerpunkte liegen im Neolithikum und den frühen Metallzeiten in Zentraleuropa, den Balkan und der Levante. Weiterhin ist er aktiv in der Forschung zu frühen technologischen Innovationsprozessen und deren sozialen Folgen.

   

Ort

Großer Sitzungssaal des Landkreises

Hopfengarten 2

27356 Rotenburg (Wümme)

Zeit:                      Donnerstag, 21.11.2019; 19:00 Uhr
Kosten:                 kostenloser Eintritt!